{"id":149,"date":"2013-10-16T09:29:45","date_gmt":"2013-10-16T09:29:45","guid":{"rendered":"http:\/\/karin.unkrig.de\/?page_id=149"},"modified":"2020-07-07T22:30:09","modified_gmt":"2020-07-07T22:30:09","slug":"drei-minuten-fur-ein-filmzitat","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/karin.unkrig.de\/?page_id=149","title":{"rendered":"Drei Minuten f\u00fcr ein Filmzitat"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-159 alignnone\" src=\"http:\/\/karin.unkrig.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/3min_filmZitat1.jpg\" alt=\"3min_filmZitat1\" width=\"200\" height=\"249\"><\/p>\n<p>Eine graue Maus, Prokurist, von Bankoberen f\u00fcr scheinbare Millionenverluste verantwortlich gemacht, sucht einen neuen Job. Blass, im blauen Anzug, mit verzweifeltem Blick. Ersch\u00f6pft kommt er nach Hause, setzt sich ins Wohnzimmer. Wartet, bis seine Frau aus dem Kino zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<h2>Zugang verschlossen<\/h2>\n<p>Als sie eintritt, unternimmt er gar nicht erst den Versuch, sich hoffnungsvoll zu geben. \u00abNichts\u00bb fasst er das Ergebnis zusammen. C\u00e9cile setzt sich zu ihm, h\u00f6rt zu, wie er die Szenerie der Auswahlverfahren schildert.<br \/>\n\u00abDiese Typen, die ihre Zigarrenschachteln \u00f6ffnen und dir nie eine anbieten.<br \/>\nSo ging es den ganzen Tag.<br \/>\nSie haben massenhaft Stellen zu vergeben. Das sp\u00fcrt man.<br \/>\nNur: Sie machen ihre Zigarrenschachtel zu.\u00bb<br \/>\nSchweigen. Jean Louis Trintignant wird immer bleicher, ins Gesicht schleicht sich die Wut kaltgestellter Kader.Der Film w\u00fcrde nicht weitergehen, wenn er sich nicht doch aufmachen w\u00fcrde: Nicht um eine weitere Absage zu kassieren, sondern um mit Hilfe weniger Verb\u00fcndeter das marode System aus den Angeln zu heben.<\/p>\n<h2>Leben und Fiktion<\/h2>\n<p>Oft wird die Welt mit dem Kino verglichen. Wir betrachten das emsige Treiben wie einen Film.&nbsp;Pl\u00f6tzlich trifft ein Streifen&nbsp;genau unser Lebensgef\u00fchl: Sei es als \u00abmoros\u00bb (traurige, hoffnungslose oder unharmonische Aspekte zeigend) oder als \u00abloufoc\u00bb (n\u00e4rrisch, komisch, unrealistisch)[1].<br \/>\nF\u00fcr viele spielt es keine Rolle mehr, ob sie sich eine Trag\u00f6die ansehen oder die Menschen auf der Strasse. Der Effekt ist derselbe: Das Geschaute wird zum Spiegelbild des eigenen Selbst.<br \/>\nKommt es uns zu nahe, k\u00f6nnen wir uns immer noch distanzieren. \u00abGebildet, ungl\u00fccklich, neurotisch und allein\u00bb wie sich Fritz Zorn bezeichnete. Und fortfuhr: \u00abWir sahen das Leben an, wie wenn es ein Film gewesen w\u00e4re; aber nicht einmal im Kino wollten wir annehmen, dass der Film vom Leben handelte\u00bb. Zu nackt, kalt und brutal ist die Realit\u00e4t.<\/p>\n<h2>Schall und Rauch<\/h2>\n<p>Zur\u00fcck zum Auftakt.&nbsp;Das Drama heisst \u00abDas Geld der anderen\u00bb. Am Schluss siegt ein St\u00fcck Gerechtigkeit. Das Finanzbusiness wird dadurch nicht besser. Dem Hauptdarsteller indes winkt eine Option.&nbsp;Und er ist sich gewiss, dass er sich nicht verbiegen liess. Weder f\u00fcr eine Havanna noch f\u00fcr eine Davidoff &#8230;<span style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>[1] Quelle: Fitz Zorn: Mars. Fischer Taschenbuch, 1996, S. 57 ff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine graue Maus, Prokurist, von Bankoberen f\u00fcr scheinbare Millionenverluste verantwortlich gemacht, sucht einen neuen Job. Blass, im blauen Anzug, mit verzweifeltem Blick. Ersch\u00f6pft kommt er nach Hause, setzt sich ins Wohnzimmer. Wartet, bis seine Frau aus dem Kino zur\u00fcckkehrt. Zugang verschlossen Als sie eintritt, unternimmt er gar nicht erst den Versuch, sich hoffnungsvoll zu geben. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=149"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1998,"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149\/revisions\/1998"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karin.unkrig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=149"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}