{"id":207,"date":"2013-10-16T10:58:58","date_gmt":"2013-10-16T10:58:58","guid":{"rendered":"http:\/\/karin.unkrig.de\/?page_id=207"},"modified":"2020-07-25T00:15:26","modified_gmt":"2020-07-25T00:15:26","slug":"verhorer-verleser-versprecher","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/karin.unkrig.de\/?page_id=207","title":{"rendered":"Verh\u00f6rer, Verleser, Versprecher"},"content":{"rendered":"<p>Haben Sie sich letzthin verh\u00f6rt oder aus Versehen etwas Anderes gelesen als das, was wirklich auf der Verbotstafel, im Kochrezept bzw. auf der Geburtstagseinladung stand? Beides geschieht h\u00e4ufig und weist in seiner Allt\u00e4glichkeit nichts Spektakul\u00e4res auf. Solange man nicht von einem Richter \u00abverh\u00f6rt\u00bb oder von den Kolleginnen \u00abverlesen\u00bb (im Sinn von aussortiert [1] ) wird. In der Regel f\u00fchrt ein \u00abVerh\u00f6rer\u00bb oder \u00abVer-leser\u00bb zu harmlosen Irritationen. In den beschriebenen F\u00e4llen zu einer Busse, versalzenen Makkaroni oder dem Verpassen einer tollen Fete. Kurzum: Die Ausgangslage ist offen, die Entstehung am\u00fcsanter als die Aufl\u00f6sung und die Fortsetzung garantiert\u00a0&#8211; Stichwort \u00abManipulation\u00bb.<\/p>\n<p>Die dritten Stolperer, die \u00abVersprecher\u00bb , verursachen entweder schwierige W\u00f6rter (sogenannte \u00abZungenbrecher\u00bb), leichte Sprachfehler oder pl\u00f6tzlicher Schluckauf. Dar\u00fcber hinaus spielt uns das Unterbewusstsein oft einen Streich. Verr\u00e4t woran wir eigentlich denken, was wir lieber t\u00e4ten etc. Wir k\u00f6nnen dann auch nicht unbedingt damit rechnen, dass just in diesem Augenblick ein G\u00fcterzug vorbeidonnert, das Gegen\u00fcber unkonzentriert, falsch oder gar nicht hinh\u00f6rt.<\/p>\n<h2>Unfreiwillige Komik<\/h2>\n<p>Politiker, Kirchenm\u00e4nner, Schriftstellerinnen\u00a0&#8211; Vortragende \u00fcberhaupt\u00a0&#8211; haben sich daran gew\u00f6hnt, missverstanden zu werden. Hinzu kommen das Verh\u00f6rpotenzial bei Dialekten oder Fremdsprachen sowie schlichte<br \/>\n\u00abVerschreiber\u00bb. Keine Schere im Kopf hatte derjenige Mediensprecher, welcher verbreitete, die Zentrale seines Konzerns werde \u00abzensiert\u00bb statt \u00abzentralisiert\u00bb. V\u00f6llig aufgeschmissen war jener Ehemann, welcher unbesehen den\u00a0von seiner Gattin verfassten\u00a0Einkaufszettel einpackte. Nirgendwo gab es \u00abstalinistische Kr\u00e4uter\u00bb. Die zu Rate gezogene Verk\u00e4uferin empfahl ihm italienische &#8230; Alternative: die Zutaten zu Borschtsch, der russischen Suppe.<\/p>\n<h2>Knopf im Ohr?<\/h2>\n<p>Zuweilen verfestigen sich H\u00f6rfehler (Coiffeur-Jass [2] ) oder erzeugen neue Wortsch\u00f6pfungen (Bollywood, Wellness, Bleisure), manchmal sogar seltsame Zwiegespr\u00e4che. Ich erinnere mich an die Episode an einer Tramhaltestelle, fr\u00fchmorgens um halb sieben. Ein Obdachloser bettelt einen Gesch\u00e4ftsmann an: \u00abH\u00e4sch mer n\u00f6d en Stutz?\u00bb Dieser antwortet distinguiert: \u00abUm die Zit, en Kafi Lutz [3]?!\u00bb Pech gehabt, vielleicht h\u00e4tte ihm der Aushang gegen\u00fcber (\u00abLiederabend mit Alkoholbeglei-tung\u00bb) eher zugesagt; es sei, es w\u00e4re doch das Akkordeon zum Zug gekommen.<br \/>\nLiedtexte, speziell alteingesessene, werden \u00f6fter frei interpretiert. Dennoch verleitet es zum Schmunzeln, wenn jemand inbr\u00fcnstig \u00abHolger, Knabe im lockigen Haar\u00bb singt oder \u00abStille Nacht, heiligt kracht&#8217;s\u00bb. Wetten, er denkt an die nachfolgende Bescherung? Wohl bekomm&#8217;s, unterm Tannenbaum!<\/p>\n<p><i>Quellen: <\/i><i>Hacke Axel &amp; Sowa Michael: Der weisse Neger Wumbaba. Kleines Handbuch des Verh\u00f6rens. Antje Kunstmann Verlag, M\u00fcnchen 2004 sowie <\/i><i><a class=\"externalHyperlink\" href=\"http:\/\/www.wildbits.de\/category\/verlesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.wildbits.de\/category\/verlesen\/<\/a><\/i><\/p>\n<p class=\"MsoFootnoteText\" style=\"margin: 6pt 0cm 0pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 9pt;\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: 9pt; mso-fareast-font-family: 'Times New Roman'; mso-ansi-language: DE; mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA; mso-bidi-font-family: 'Times New Roman';\">[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial;\"><span lang=\"DE-CH\" style=\"font-size: 9pt; mso-ansi-language: DE-CH; mso-bidi-font-family: Arial;\">schweizerischer Ausdruck<!--?xml:namespace prefix = o ns = \"urn:schemas-microsoft-com:office:office\" \/--><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 0pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: 9pt;\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: 9pt; mso-fareast-font-family: 'Times New Roman'; mso-ansi-language: DE; mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA;\">[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial; font-size: 9pt;\"> urspr\u00fcnglich auf das franz\u00f6sische <span style=\"color: black;\">\u00ab<\/span>Qoui faire\u00bb (was tun?)zur\u00fcckgehend<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoFootnoteText\" style=\"margin: 0cm 0cm 0pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 9pt; mso-bidi-font-family: Arial;\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: 9pt; mso-fareast-font-family: 'Times New Roman'; mso-ansi-language: DE; mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA;\">[3]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial;\"><span lang=\"DE-CH\" style=\"font-size: 9pt; mso-ansi-language: DE-CH; mso-bidi-font-family: Arial;\">Kaffee mit Obstbrandwein, meist Birnenschnaps<\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie sich letzthin verh\u00f6rt oder aus Versehen etwas Anderes gelesen als das, was wirklich auf der Verbotstafel, im Kochrezept bzw. auf der Geburtstagseinladung stand? Beides geschieht h\u00e4ufig und weist in seiner Allt\u00e4glichkeit nichts Spektakul\u00e4res auf. Solange man nicht von einem Richter \u00abverh\u00f6rt\u00bb oder von den Kolleginnen \u00abverlesen\u00bb (im Sinn von aussortiert [1] ) wird. 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